Futterteig schon im Februar auflegen? Ja, aber der Standort entscheidet
Es ist die Frage, die jedes Jahr aufs Neue die Imkergemeinschaft spaltet: „Soll ich den Futterteig jetzt schon auflegen oder noch warten?“
Während alte Lehrbücher oft zur Geduld mahnen, sprechen die moderne Betriebsweise und der Klimawandel eine andere Sprache. Für uns bei Honicraft ist die Antwort klar: Ja, auf jeden Fall. Aber es gibt ein „Aber“. Klären wir, warum das so ist und worauf Sie achten müssen.
Alles hängt vom Wetter und der Höhenlage ab
Imkerei ist keine Mathematik, sondern Arbeit mit der Natur. Was für Imker in milden Weinbauregionen oder im Flachland gilt, muss nicht für Kollegen im Mittelgebirge oder in den Alpen gelten.
- Raue Lagen und höhere Regionen: Wenn bei Ihnen noch tiefster Winter herrscht und Schnee liegt, sitzen die Bienen fest in der Wintertraube. Hier ist es für eine Reizfütterung noch zu früh.
- Milde Täler und wärmere Zonen: In vielen Regionen klettern die Temperaturen im Februar bereits auf über 8–10 °C, und die Bienen nutzen dies für den ersten Reinigungsflug. Das ist für das Bienenvolk (und vor allem für die Königin) das Startsignal: „Der Winter endet, wir legen los.“
Warum ist der Februar so entscheidend?
Sobald der erste Wärmeimpuls kommt, beginnt die Königin mit der Eiablage (Bruteinschlag). Wenn dies Anfang oder Mitte Februar geschieht, ist die biologische Rechnung einfach:
1. Im Februar legt die Königin die Eier.
2. Rund 21 Tage später schlüpfen die ersten Jungbienen.
Dies ist die erste Frühlingsgeneration. Diese Bienen sind die wichtigsten des Jahres, denn sie müssen die alten, abgearbeiteten Winterbienen ersetzen, die nun nach und nach abgehen. Von der Qualität dieser Generation hängt die Stärke Ihres Volkes für die gesamte kommende Saison ab.
Die Gefahr im Märzwinter: Der Futterabriss
Hier liegt das größte Risiko. Viele Imker denken: „Die Bienen haben noch genug Futterwaben, sie brauchen keinen Teig.“
Doch oft kehrt nach den ersten warmen Tagen im Februar der Winter im März zurück, und die Temperaturen fallen wieder unter den Gefrierpunkt.
Sobald das Volk brütet, muss es im Inneren der Traube eine Temperatur von 35 °C halten (statt der üblichen ca. 20–25 °C im brutfreien Zustand). Das kostet enorm viel Energie. Die Bienen sitzen fest auf der Brut, um diese zu wärmen, und können bei Kälte den Kontakt zu den seitlichen Futterwaben verlieren. Das Ergebnis: Futterabriss. Das Volk verhungert qualvoll, oft nur wenige Zentimeter neben vollen Honigwaben.
Futterteig, der direkt auf die Oberträger (über den Bienensitz) gelegt wird, ist in diesem Moment die Lebensversicherung. Das Futter ist für die Bienen direkt erreichbar, ohne dass sie das wärmende Brutnest verlassen müssen.
Eiweiß: Der Baustein für starke Bienen
Damit sich die erste Frühlingsgeneration optimal entwickelt, braucht sie nicht nur Zucker (Energie), sondern vor allem Eiweiß (Proteine). Die Larven benötigen in den ersten Entwicklungstagen massiv Proteine für den Futtersaft.
In der Natur blüht im Februar oft noch wenig bis gar nichts. Wenn das Volk keine ausreichenden Pollenvorräte in den Waben hat, werden die Larven unterversorgt. Die Folge sind schwache, kurzlebige Bienen und ein schleppender Start ins Frühjahr.
Fazit: Warum Futterteig im Februar?
Mit der Gabe von Futterteig sichern Sie sich drei Vorteile:
1. Überlebensgarantie: Sie verhindern einen Futterabriss bei Kälterückschlägen.
2. Optimale Larvenernährung: Proteine im Teig sorgen für eine gesunde Entwicklung der Brut.
3. Starker Start: Eine vitale erste Generation bedeutet eine schnellere Entwicklung zur Trachtreife.
Deshalb empfehlen wir für die Auswinterung die Verwendung von Futterteig mit Pollenanteil oder Proteinzusätzen. Produkte wie Alvarium Vita Protein oder Medopip Plus liefern genau die Nährstoffe, die in der Natur noch fehlen. Es ist eine Investition, die sich spätestens bei der ersten Honigernte bezahlt macht.